23.12.2012

Eine neue Stadt in der jordanischen Wüste – Göttinger THW-Helfer vom Einsatz zurück

Vier Monate nach seinem ersten Einsatz kehrte Jens-Olaf Knapp vom THW-Ortsverband Göttingen am vergangenen Wochenende wieder aus dem jordanischen Flüchtlingscamp Zaatari zurück. Dort ist das Technische Hilfswerk (THW) tätig, um die Lage der syrischen Bürgerkriegsflüchtlinge zu verbessern.

Ein neuer Stadtteil: Endlose Reihen von Wohncontainern

Die Kontraste zu seinem ersten Einsatz Anfang August in dem Lager nahe der syrischen Grenze könnten kaum größer sein: Statt Hitze, Trockenheit und Sandstürmen erschweren nun Kälte und Regen den Menschen das Leben. Aus dem Zeltlager mit damals rund 4.000 Flüchtlingen ist inzwischen eine Stadt mit über 35.000 Einwohnern geworden. Wie lange sie dort leben müssen, weiß derzeit niemand.

„Ich war beeindruckt, was hier in wenigen Monaten an Infrastruktur auf dem Wüstengelände entstanden ist“, so Knapp. „Viele provisorische Lösungen wurden inzwischen verbessert: Große Flächen geschottert, Straßen gebaut und beleuchtet, die Wasserversorgung verbessert. Krankenstationen, Schulen, Kindergärten und Gebetsräume sind entstanden. Doch die Not ist weiterhin groß und der anhaltende Flüchtlingsstrom verschärft die Lage zu Winterbeginn dramatisch.“

In den letzten Nächten seines Aufenthaltes kamen jeweils zwischen 600 und 1.300 neue Bewohner in das Camp. „An der Grenze warten viele tausend weitere Syrer auf die Gelegenheit zur Flucht. Sie kommen in der Dunkelheit, um nicht noch auf den letzten Kilometern zur Zielscheibe von Angriffen zu werden“, berichtet Knapp.

Das UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR und UNICEF bauen gemeinsam mit internationalen Partnern mit Hochdruck am Ausbau des Camps, das derzeit für 60.000 Menschen ausgelegt ist. In den letzten Wochen wurden mit Unterstützung des THW zwei neue „Stadtteile“ für 10.000 Bewohner ausgebaut, die nun zügig belegt werden. Und die Vorbereitungen für die nächsten Bereiche laufen bereits auf Hochtouren.

Jens-Olaf Knapp: „Saudi-Arabien hat Jordanien zweitausend Wohncontainer zur Verfügung gestellt, die nun wie auf einem riesigen Schachbrett nebeneinander aufgereiht sind. Hierhin sollen zunächst die Bewohner der ältesten Campbereiche umgesiedelt werden, in deren Zeltreihen die Lage immer noch am schlimmsten ist. Doch der Baufortschritt kann kaum mit dem Zustrom an Menschen mithalten. Ständig müssen temporäre Flächen erweitert werden“.

Das THW sorgt unter anderem für den Bau von winterfesten Sanitärzentren und Kochhäusern, kümmert sich um die Versorgung mit Trinkwasser sowie die Entsorgung der sanitären Anlagen. Der Bau eines Drainagesystems, einer Wasser-Pumpstation und der Betrieb des UNICEF-Hilfsgüterlagers gehören ebenfalls zu den Aufgaben des 15-köpfigen Teams, das weitgehend aus ehrenamtlichen Kräften wie Knapp besteht. Es beschäftigt zeitweise über 250 lokale Arbeiter.

Alles unter hohem Zeitdruck, denn nun beginnen die 40 kältesten und nassesten Tage in der Region, wie der Göttinger THW-Mann am eigenen Leib erfuhr: „Die Temperaturen fallen nachts schon bis auf den Gefrierpunkt. Bei diesen Temperaturen im Zelt leben und sich mit kaltem Wasser waschen zu müssen, ist eine schlimme Situation für die Menschen hier“. Deshalb werden die fast 200 Sanitärzentren nach und nach mit Warmwassermodulen ausgerüstet.


Jens-Olaf Knapp unterstützte direkt den Einsatzleiter des THW bei seinen Aufgaben. „Die Koordinierung und Steuerung aller Maßnahmen ist bei einer solchen Großbaustelle und diesem Zeitdruck eine gewaltige Herausforderung“, berichtet er. „Dabei geht es nicht nur um unsere eigenen Einsatzkräfte, sondern auch um die Abstimmung mit UN-Organisationen, Hilfsorganisationen aus aller Welt und den lokalen Behörden“.

Knapp war diesmal zwei Wochen vor Ort und kehrte zu Heiligabend zurück. Doch Weihnachtsstimmung kommt bei ihm nicht so recht auf: „Es dauert eine Weile, bis man die intensiven und bewegenden Eindrücke aus solchen Einsätzen verarbeitet hat“, weiß er aus seinen inzwischen fünf Auslandseinsätzen für das THW.

„Alle kämpfen wie gegen Windmühlen“, erzählt der 45-jährige. „In anderen Einsätzen, zum Beispiel nach Naturkatastrophen, gibt es ein Schadensereignis. Wir kommen danach und versuchen, die Lage zu stabilisieren und zu verbessern. Hier führt der anhaltende Bürgerkrieg zu einer andauernden Flüchtlingskrise, die noch lange nicht stabil ist“, so sein Fazit.


  • Ein neuer Stadtteil: Endlose Reihen von Wohncontainern

  • Fertige Sanitärzentren

  • Zelte soweit das Auge reicht

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