Chronik

Ein halbes Jahrhundert Technisches Hilfswerk in Göttingen
 

von Axel Rentschka

 

1956 finden sich erste Eintragungen in Adressbüchern der Stadt Göttingen. In diesem Jahr wird auch noch eine Technische Nothilfe (TN) erwähnt. Diese residierte im Gebäude 13 in der Levinstrasse. Das THW war 1956 am Waageplatz 8 III zu erreichen. 1960 ist das THW auf dem alten Flugplatz postalisch zu erreichen. 1965/66 ist das dann das Gebäude 21 in der Levinstrasse die Unterkunft des THW. Auch ein Telefonanschluß ist vorhanden, selbst eine Telefonnummer für die Erreichbarkeit nach Dienstschluß wird angegeben. Die Erreichbarkeit nach Dienstschluß musste also nicht neu erfunden werden!

 

Das THW in Göttingen war bis 1974 Bestandteil des 1957 gegründeten Luftschutzhilfsdienstes. Aufgaben des THW im LSHD waren die Bergung im allgemeinen und die Instandsetzung von Versorgungsleitungen. Das Jahr 1964 markiert den Beginn heute noch nachvollziehbarer Entwicklungen. Zu verdanken haben wir das unserem Koch Dieter Lautenbacher, denn am 14.7.1964 begann er seine Laufbahn im THW.  60 Helfer zählte das THW 1964. Begnügen musste man sich mit einem VW-Bus und einem LKW Hanomag mit Plane, dass Gerät für Bergungseinsätze war eingelagert und musste im Einsatzfalle erst verladen werden. Der nächste Meilenstein kann in den Januar 1974 datiert werden. In dieser Zeit wurde der Luftschutzhilfsdienst LSHD als Organisation des Bundes aufgelöst. Die Helfer des LSHD konnten sich entscheiden, ob sie zum THW oder zur Feuerwehr wechseln wollten. Die Fahrzeuge des LSHD wurden aufgeteilt, so dass drei Bergungszüge entstanden. 38 Helfer gehörten zu einem Bergungszug. Zwei Bergungszüge des THW wurden ab Januar 1974 der Stadt Göttingen unterstellt, ein Bergungszug des THW dem Landkreis Göttingen. Mit dem ABC-Zug waren es damals ansehnliche 200 Helfer im OV Göttingen. Die Helfer, die sich für die Mitwirkung bei der Feuerwehr entschieden hatten, setzten ihre Arbeit in einem Bergungszug fort, der in die Feuerwehr integriert war. Die Fahrzeuge blieben Bundeseigentum und erhielten auch keine rote Farbe. Als Fahrzeuge standen GKW´s und MKW`s der Hersteller Hanomag AL 28 (der Legendäre !), Borgward und Magirus Deutz zur Verfügung. 1975 standen dem THW 6 MKW, 2 GKW sowie diverse kleine Fahrzeuge zur Verfügung. Noch heute pflegt der Ortsverband einen DKW Munga, der Mitte der siebziger Jahre als Führungsfahrzeug diente. In diese Zeit fällt auch die Beschaffung einer Trinkwasseraufbereitungsanlage. Diese Anlage ist auch heute noch die Basis der Fachgruppe Trinkwasser des Ortsverbandes. Ihrer Existenz verdankt der Ortsverband zahlreiche Auslandseinsätze, denn die Kompaktheit der Anlage macht sie leicht transportierbar, sowohl zu Lande als auch in der Luft. Die Aufgaben und die Ausbildung des THW waren bis in die 80´er Jahre geprägt von den Vorbereitungen auf eine kriegerische Auseinandersetzung. Die Ausrüstung war „... auf dem Stand der 70`er Jahre“ (GT vom 24.8.87), „Zivilschutz trägt dazu bei, Abschreckung glaubwürdig zu machen“ (Weißbuch Verteidigung 1983). Erst mit Ende der 80`er Jahre wandelte sich das Aufgabengebiet und die Zielsetzung des THW. Diese Umorganisation fand ihr vorläufiges Ende mit dem derzeitigen Komponentenmodell. Aber selbst an diesem Konzept wird weiter gearbeitet.

Einsätze und technische Hilfeleistungen Einsätze gab und gibt es in unregelmäßiger Zahl. Überliefert ist die Teilnahme Göttinger Helfer am Hamburger Hochwasser 1962 und ein Einsatz in Stade 1972. In den 70`er Jahren ein Zugunglück bei Northeim, ein Großbrand in einem Studentenwohnheim in Göttingen, der Brand der Heide 1975, die Unterstützung des Studentenwerkes nach Ausfall der Zentralmensa. 1981 ereilte den Landkreis Göttingen eine Hochwasserkatastrophe. Sie brachte für das THW Anerkennung in der Öffentlichkeit und vor allem in Reinhausen viele folgende Einsätze in Form von technischen Hilfeleistungen. 1986 dann das Unglück im Atomreaktor von Tschernobyl. Hilflosigkeiten auf allen Ebenen bundesweit führte zu einer Anfrage des Oberkreisdirektors an das THW, ob der damals noch beim THW vorhandene ABC-Zug Messungen zur entstandenen radioaktiven Strahlung durchführen könne. Nach Eingang der Anfrage gegen 15.00 Uhr lagen gegen 20.00 Uhr erste Messungen vor. Der damalige OB Wolfgang Send erarbeitete ein Messprogramm, dessen Ergebnisse drei Monate lang im Göttinger Tageblatt veröffentlicht wurden. Dazu musste regelmäßig das drei Stunden dauernde Messprogramm im gesamten Kreisgebiet abgearbeitet werden. Eine auch heute noch beeindruckende Leistung, die für die Bevölkerung wertvolle Daten lieferte. Die Bundes- und Landesbehörden versagten zu diesem Zeitpunkt total. Es folgten zahlreiche Einsätze unserer Trinkwassserspezialisten im Ausland. Bei der Bekämpfung von Hochwassern war der Ortsverband des öfteren im Einsatz, häufig auch überregional und international. Auslandseinsätze sind das „Salz in der Suppe“ für jeden engagierten Helfer. So hat sich auch die Begriffsbestimmung THW leicht abgewandelt: Technische Hilfe Weltweit trifft immer öfter auf die Einsätze des THW zu. Die Basis muß aber die Arbeit vor Ort sein. Dazu gehört unser Bemühen um eine bessere Einbindung in die örtliche Gefahrenabwehr.