THW OV Goettingen
 
 

Bombenenschärfung scheitert tragisch !

 
Tagebuch: 01.06.2010 - Bombenentschärfung scheitert tragisch !
Autor: Axel Rentschka, Datum:01.06.2010
 
Die Helfer des Ortsverbandes trauern mit den Familien der ums Leben gekommenen Mitarbeiter des Kampfmittelräumsdienstes.
Ihnen gilt unsere Anteilnahme und Mitgefühl.

Ein Kondolenzbuch gibt es hier Kondolenzbuch Göttinger Tageblatt
 

Fünf Tage vorher war die Entschärfung einer 10-Zentner Bombe gleicher Bauart erfolgreich abgeschlossen worden. So gingen alle Beteiligten von einem Routineeinsatz am 1. Juni 2010 aus, der gegen Mitternacht erfolgreich abgeschlossen sein würde (siehe Tagebucheintrag vom 27.05.2010)

Der Tag hatte mit den Arbeiten des Kampfmittelräumdienstes am Fundort der Bombe begonnen. Helfer des Ortsverbandes Göttingen pumpten nachlaufendes Grundwasser aus der 7 Meter tiefen Grube, in der die Bombe mit einem hochsensiblen Acetonzünder lag. Gegen Mittag waren diese Arbeiten abgeschlossen, wie geplant nahm um 17 Uhr die Technische Einsatzleitung von Stadt und Landkreis Göttingen ihre Arbeit in den Räumen der Berufsfeuerwehr Göttingen auf. In Absprache mit dem S4 erhielt das THW den Auftrag zur Bildung eines Einsatzabschnitts Versorgung in der Unterkunft des Ortsverbandes Göttingen. Der zurückliegende Einsatz vor 5 Tagen war alarmmäßig durchgeführt worden, dieses Mal gab es ausreichend Zeit für die vorbereitenden Maßnahmen. Kalt- und Warmverpflegung war in ausreichender Menge vorhanden, um die erwarteten 450 Einsatzkräfte und die evakuierten Bürger an den zwei Sammelstellen zu versorgen.
Die dramatische Wende dieses Einsatztages kam um 21.45 Uhr. Kurz nachdem ein Radius von 300 Metern um den Fundort als frei von Einsatzkräften und Bürgern gemeldet worden war vernahmen die Mitglieder der TEL einen dumpfen lauten Knall. Der Standort der Berufsfeuerwehr Göttingen und der Fundort der Bombe liegen ca. 5 km Luftlinie voneinander entfernt. Die Bombe war ungeplant detoniert ! Sofort eilten Rettungskräfte aus den umliegenden Evakuierungsabschnitten an die Schadensstelle, Notärzte und Rettungsteams wurden nachalarmiert. Schnell erreichte die TEL die unfassbare Nachricht vom Tod dreier Mitarbeiter des Kampfmittelräumdienstes, zwei waren schwer, vier leicht und drei unverletzt.
Für die beiden Fachberater des THW, die sich gerade ablösen wollten begann eine Nacht hektischer Betriebsamkeit. Umgehend wurden im Auftrag des S3 die Ortsverbände Hann.Münden, Göttingen und Gieboldehausen alarmiert. Die Einsatzleitstelle in Göttingen ist für diese Ortsverbände zuständig.
Eingerichtet wurde auf dem Grundstück einer benachbarten Firma ein Bereitstellungsraum für die anrückenden Kräfte, neben der Küche des Ortsverbandes kamen auch zwei Feldküchen aus Gieboldehausen und Göttingen zum Einsatz. Das Gelände des Ortsverbandes wurde als Einsatzabschnittt Versorgung geführt, alle Einsatzkräfte fuhren zum Essen diesen Einsatzabschnitt an, die Versorgung endete dort um 02.45 Uhr.
Drei Technische Züge, die Fachgruppe Logistik Versorgung aus Gieboldehausen sowie weitere Einsatzkräfte des THW gingen in den Einsatz. Zwei Lichtmasten wurden zum Ausleuchten an den Explosionsort geschickt, die Ausleuchtung wurde die ganze Nacht aufrechterhalten. Zwei Baufachberater mit Führungsgehilfen aus dem Ortsverband Northeim berieten die Einsatzleitung vor Ort. Gemeinsam mit Kräften der Freiwilligen Feuerwehr wurden Wohngebäude begutachtet, bevor sie für die Rückkehr der Bewohner freigegeben wurden.
Für Einsatzkräfte und Evakuierte wurden mehr als 1500 Portionen Warm- und Kaltgetränke sowie Warmverpflegung zubereitet und verteilt. Die Logistiker des THW beschafften noch in der Nacht 200 Metern Baustellenabsperrung samt Sichtschutz, ein benachbarter Großmarkt öffnete zwei Mal seine Türen, um den Nachschub für die Küchen sicherzustellen. Der Bauzaun wurde noch in der Nacht aufgestellt, weitere 1000 Meter Bauzaun werden am Donnerstag den 3. Juni angeliefert, dieses Material beschaffte der Bauhof der Stadt Göttingen. 21 Einsatzkräfte des THW aus vier Ortsverbänden werden diese Absperrung aufbauen. Ein LKW/Lbw übernahm den Transport von Feldbetten von Hann.Münden nach Göttingen, da nicht ausgeschlossen werden konnte, das ein Teil der evakuierten Mitbürger die Nacht an den Sammelplätzen verbringen würde. Diese Maßnahme erwies sich dann als nicht mehr notwendig.
Der TEL-Betrieb wurde im kleinen Rahmen bis zum späten Nachmittag des 2. Juni aufrechterhalten. Die Fachgruppe WP erhielt nochmals den Auftrag, den Explosionskrater leerzupumpen. Es bestand den ganzen Tag über telefonischer Kontakt zwischen den Fachberatern des THW und der TEL, auch die Unterkunft des Ortsverbandes blieb besetzt.

Im Einsatz waren:

2 Fachberater THW (Göttingen und Gieboldehausen) in der TEL

2 Baufachberater Ortsverband Northeim

OV Hann.Münden Gesamtstärke 16
MTW Ztr. GKW 1 mit Lichtmast Polyma, MzKW, LKWLbw, LUK OV

OV Göttingen Gesamtstärke 25
MTW Ztr., MTW OV, GKW 1, MzKW, LKW Ldkr. als Lichtmast 20000 W, Lichtmast klein 9000 W / 10 kVA, Aggregat 25 kVA, LKW Lbw Fgr. WP, Feldkochherd OV, LKW Lbw Fgr TW für Transporte, Küche OV, LUK OV

OV Gieboldehausen Gesamtstärke 14
MTW Ztr., GKW 1, GKW 2, Feldkochherd, LKW Lbw.

OV Osterode Gesamtstärke 1
Notfallseelsorger ENT

Die Ortsverbände Osterode, Hann.Münden, Einbeck und Bad Lauterberg zum Aufbauen einer 1000 Meter langen Absperrung mit mehreren Fahrzeugen und 21 Helfern am 3. Juni 2010. Verpflegung durch die Küche des OV Göttingen
Geschäftstelle Göttingen mit Sb EA / ZD

Zeitungsartikel zu den Ereignissen gibt es hier:
2.Juni2010_1
2.Juni2010_2
3.Juni2010_1
3.Juni2010_2
4.Juni2010_1
4.Juni2010_2
4.Juni2010_3
5.Juni2010_2
Die Zeitungsartikel wurden veröffentlicht im Göttinger Tageblatt
Infos gibt es auch in der HNA

Alle Fotos Göttinger Tageblatt. Herzlichen Dank !

Ohne Worte
Evakuierungsbereich
Unglückstelle
 
 
 
 
 
© THW Ortsverband Göttingen - Christian Borschel, Fabian Thorns